M e r k b l a t t

Dokumentationsnotizen des Deutschen Sprach- und Kulturvereins Brünn


Nr.0/2001                           18.5.2001


Der Deutsche Sprach- und Kulturverein stellt sich vor

Der Verein will an die jahrhundertealte eigenständige Kultur des mährisch-schlesischen Raumes anknüpfen, der weitgehend von der gegenseitigen Durchdringung deutscher, jüdischer und tschechischer Elemente (in alphabetischer Reihenfolge angeführt) bestimmt war. In diesem einmaligen kulturellen und liberalen Umfeld war es dem Augustiner Mendel möglich, die nach ihm benannte Vererbungslehre zu entdecken und es konnte auch in der Nationalitätenfrage der Mährische Ausgleich, zustandekommen, um nur zwei markante Fakten anzuführen. Dies alles ist weitgehend in Ver-gessenheit geraten, der Verein will die fehlenden Kenntnisse auffrischen

In der alten österreichisch-ungarischen Monarchie lebten in Mähren, sehr im Unterschied zu anderen Kronländern, die erwähnten Volksgruppen mit geringerer Abgrenzung der Sprach- und Kulturgemeinschaften, pflegten in höherem Maße das Zusammenleben sowie die wechselseitige Beeinflussung und Befruchtung. Dies spiegelten besonders die schönen Künste und die Literatur wieder, wohl auch gefördert durch den räumlichen Bezug zur alten Kaiserstadt.

Die uns heute noch besser in Erinnerung liegende Ver-gangenheit war gekenn-zeichnet durch die zwei schicksalhaften Geißeln Europas, beide gleich böse und menschenverachtend: den Nationalsozialismus und den Bolschewismus. Ob Kulakenvernichtung oder Holocaust, ob Terror und Vertreibung, ob Okkupation oder ,,Bruderhilfe" - es dominierten im 20. Jahrhundert die Kräfte der Vernichtung, nicht des Aufbaus.

Letztendlich auch zum Nachteil der tschechischen Kultur.

Im neuen tschechischen Staate litt die volksdeutsche Minderheit an der planmäßigen Assimilierung und durch den verfassungswidrigen Bildungsentzug. Erst nach der ,,samtenen Revolution" konnte sie eine schrittweise Rückkehr zu ihren angestammten Aufgaben im kulturellen Geschehen des Landes ins Auge fassen.

Erschwert aber wurden und werden diese Bemühungen nicht nur durch immer noch anhaltende äußere Einflüsse, sondern leider auch durch interne deutsche Zwistigkeiten. Diese sind in der ehemaligen mährisch-schlesichen Landeshauptstadt besonders ausgeprägt und mit einer der Gründe zur Schaffung einer neuen Plattform zur Vertretung volksdeutscher Interessen.

Von hier aus soll auch gegen das Subventionsdenken angegangen werden, das die Möglichkeiten der Eigenbeschaffung finanzieller Mittel völlig außer Acht ließ und läßt und darüber hinaus die zur Verfügung gestellten spärlichen Mittel unwirtschaftlich einsetzt. Die bisher tätigen Kräfte haben auch Sprachpflege und Sprachkultur, Erwachsenenbildung und Kenntnis der deutsche Literatur völlig unzureichend gefördert sowie die Zusammenarbeit mit österreichischen und deutschen Stellen mangelhaft wahrgenommen. Schließlich gab den Ausschlag für die Vereinsgründung die Tatsache, daß alle Bestrebungen scheiterten, die zerstrittenen volksdeutschen Brünner Gruppen an einen Tisch zu bringen.

Wir wollen und werden, solange die Altersstruktur der Volksgruppe noch Erfolgsaussichten bietet, tätig werden und rasch und zielstrebig Abhilfe schaffen. Der Deutsche Sprach- und Kulturverein wird voll und ganz die Möglichkeiten nutzen, die sich aus dem Rahmenabkommen über den Schutz der Minderheiten ergeben. Dabei soll der tschechischen Mehrheitskommunität ermöglicht werden, die demokratische und EU-orientierte deutsche Kultur der Gegenwart wahrzunehmen. Auch die Unwahrheit des kommunistisch oktroyierten deutschen Feindbildes soll systematisch bewiesen werden. Die tschechische Kultur von Čapek bis Havel hat mit der deutschen von Goethe bis Grass so viele Gemeinsamkeiten, daß unseren Bemühungen der Erfolg nicht versagt bleiben wird. Dies umsomehr als wir es mit Erich Kästner halten: "Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!"


 

Auszug aus der Satzung des DSKV

Gemäß Art. V der unter dem 12,2,2001

vom Ministerium des Inneren der Tschechischen Republik unter der GZ VSII -1146141101-R genegmigten Statuten

Tätigkeitsziele der Vereinigung sind die Unterstützung, Entfaltung, Aufrechterhaltung und Wiederbelebung der traditionellen Kultur (Brauchtum, Mundart, Sitten) der deutschen Sprachgemeinschaft unter Beachtung der Dreieinheit deutscher, tschechischer und jüdischer kultureller Einflüsse.

Erreicht werden soll dies durch aktive Tätigkeit bei der:

- Förderung und Vertiefung deutscher Sprach- und Literaturkenntnisse um die Folgen verweigerter Schulbildung in der Muttersprache;

- Hilfestellung und Beratung in Sachen Weiterbildung zur Orientierung im Zeitgeschehen unter Beachtung neuester Forschungsergebnisse;

- Veranstaltung von Brauchtums- und Liederveranstaltungen, Autorenlesungen, Diskussionsrunden, Buchpräsentationen, Vorträge und Filmvorführungen, Wanderungen und Fahrten;

- Unterstützung von Mitgliedern und befreundeten Personen bei Sprach- und Verständigungsschwierigkeiten;

- Verbreitung und Verleihung themenbezogener Bücher, Druckerzeugnisse und anderer Gegenstände;

- Unterstützung bedürftiger Landsleute in belastenden Lebenslagen.

 

 

Negation der Kollektivschuld

 

Es ist nicht wahr, daß jeder Einzelne an allem,

was im Namen seiner Nation verbrochen wurde,

auch persönlich schuldig ist.

Es ist nicht wahr, daß Rache Gerechtigkeit schafft.

Es ist nicht wahr. daß die Grenze zwischen guten und schlechten Menschen mit der Zugehörigkeit zur eigenen Nationalität zusammenfällt.

 

S.E. Bischof Vojtěch Cikrle am 1.11.2000 in Pohrlitz

 

 

 

 

 

Grundsatzerklärung

des Deutschen Sprach- und Kulturvereins zur Vertreibung

Vorwort

Die Spannungen in den tschechisch-(sudeten)deutschen Beziehungen berühren die Tätigkeit des Deutschen Sprach- und Kulturvereines nur am Rande. Trotzdem ist es notwendig die Einstellung des Vereines, sowohl zu den Belastungen der Vergangenheit, wie auch zu den jetzigen Beziehungen des tschechischen Volkes zu der deutschen Minderheit zu definieren. Dabei dürfen auch die kommenden europaorientierten Entwicklungen nicht unberücksichtigt bleiben

I.

Der (reichs)deutsche Nationalsozialismus und der sowjetische Bolschewismus waren in jeder Hinsicht vergleichbare Unrechtsregime. Beide Systeme brachten über Millionen europäischer Menschen des 20. Jahrhunderts unsägliches Leid und beide negierten die traditionellen Wertbegriffe der westlichen Gesellschaften.

 

II.

Die Auswüchse beider Diktaturen, der Holocaust, die Vertreibung und die Schandtaten der Kommunisten gegen die tschechischen und slowakischen Patrioten waren gleichermaßen verbrecherisch. Sie haben das tschechische Volk in Widerspruch zu seinen demokratischen Traditionen gebracht, die Wirtschaft des Landes zerrüttet, seine Kultur geschädigt und alles der sowjetischen Willkür preisgegeben.

III.

Die Zustimmung Stalins zur Vertreibung der Deutschen erkaufte sich der tschechoslowakische Exilpräsident Benesch mit der Auslieferung des Staates an die Kommunisten. Schon am 14. Dezember 1943 sicherte er im Kreml Enteignungsmaßnahmen gegen das tschechische Bürgertum zu.

IV.

In Kenntnis der bereits am 5. August 1950 feierlich verabschiedeten, der Versöhnung dienenden Charta der deutschen Heimatvertriebenen, identifiziert sich der Deutsche Sprach- und Kulturverein mit

- den Abschnitten B und C des II. Hauptstückes des Rechtsgutachtens über die sudetendeutsche Frage von Univ.-Prof. Dr. DDr. h. c. Felix Ermacora,

- dem Abs. 1 von Punkt 115 des Rechtsgutachtens zur Frage des Bestehens von Rechtsansprüchen der vertriebenen Sudetendeutschen von Prof. Dr. Christian Tomusohat vom 11. Dezember1995,

- der Erklärung des Hochkommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Josè Ayala-Lasso vom 28. Mai 1995.

V.

Diese grundsätzliche Sicht des zeitgeschichtlichen Geschehens soll für die Ausrichtung Lind praktische Umsetzung des Programms des Deutschen Sprach- und Kulturvereins bestimmend sein.

 


Es ist nicht wahr,

daß die "Befreiung" der Sudetendeutschen Sinn und Zweck des Münchener Diktates war. Hitler war das Schicksal der Sudetendeutschen ebenso gleichgültig, wie etwa das Schicksal der südtiroler Volksgruppe. Ihn bewegten völlig andere und rein den eigenen irren Machtgelüsten dienende Gründe. Erst nachträglich nahm er die Sudetendeutschen als willkommenen Vorwand.

Beweis dafür ist das Dokument des Internationalen Militärtribunals in Nürnberg PS-3B6, abgedruckt in "Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Nürnberg 14. November1946 - 1. Oktober 1947", Band XXV, 5.402-413. Nachstehend sollen auszugsweise die wesentlichsten Punkte dieses Dokuments festgehalten sein.

Niederschrift über die Besprechung in der Reichskanzlei

am 5. November 1937 von 16, 15 bis 20,30

Anwesend:

  • Der Führer und Reichskanzler,

  • der Reichskriegsminister Generalfeldmarschall v. Blomberg,

  • der Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst

    Freiherr von Fritsch,

  • der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine

  • Generaladmiral Dr h. c. Raeder,

  • der Oberbefehlshaber der Luftwaffe Generaloberst Göring,

  • der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath,

  • Oberst d. G. Hoßbach, Adjutant des Führers,

Der Führer stellte einleitend fest, daß der Gegenstand der heutigen Besprechung von derartiger Bedeutung sei, daß ... seine Ausführungen als eine testamentarische Verlassenschaft für den Fall seines Ablebens anzusehen seien.

..... Das Ziel der deutschen Politik ist ... das Problem des Raumes. Daß jede Raumerweiterung nur durch Brechen von Widerstand vor sich gehen könne habe die Geschichte ... bewiesen. ... Zur Lösung der deutschen Frage könne es nur den Weg der Gewalt geben.

Zur Verbesserung unserer militärpolitischen Lage müsse auf jeden Fall 1. Ziel sein, die Tschechei und Österreich niederzuwerfen, um eine Flankenbedrohung auszuschalten und eine gemeinsame Grenze Deutschland-Ungarn zu gewinnen.

Wenn auch die Besiedlung keine dünne ist, so könne die Einverleibung der Tschechei und Osterreichs den Gewinn von Nahrungsmitteln für 5 - 6- Millionen Menschen bedeuten ... Die Angliederung der beiden Staaten an Deutschland bedeute militärpolitisch eine wesentliche Entlastung infolge kürzerer, besserer Grenzziehung, Freiwerdens von Streitkräften für andere Zwecke und der Neuaufstellung von Truppen in der Höhe von etwa 12 Divisionen, wobei auf 1 Million Einwohner eine neue Division entfalle.

So geht es dann acht dichtgedruckte Seiten weiter, aber keine, auch noch so kleine Erwähnung der Sudetendeutschen oder gar ihrer Befreiung.

 

Das ist Tatsache!


Beachtenswerter Ausspruch

Es wäre wünschenswert, wenn die sudetendeutschen Pfingstreffen

künftig in Tschechien stattfinden könnten,

wo sie eigentlich hingehören.

Das wäre auch eine gute Plattform für einen Gedankenaustausch

mit den im Lande noch lebenden Deutschen

sowie der tschechischen Mehrheit...

František Černy,

Botschafter der Tschechischen Republik

in der Bundesrepublik,

am 10.6. 1998 in der Europäischen Akademie zu Berlin

Die Jodokstraße mit der Christus- und Thomaskirche:

Jodokgasse

 


 

Eines Gedenkens wert...

Deutsches Haus

Vor 110 Jahren, zu Pfingsten 1891 (genau am 17. bis 19. Mai) wurde in Brünn feierlich das Deutsche Haus eröffnet. Vor 82 Jahren, also schon nach der Errichtung der Tschechoslowakischen Republik, wurde nach Plänen des Bühneninspektors Karl Reinhardt im Sommer 1919 der große Festsaal von der Firma Artur Weiß zu einem Theatersaal umgebaut. Er umfaßte in 28 Reihen 653 Saalsitze, in 5 Reihen der Mittelgalerie 41 sog. Orgelsitze, in 3 Reihen der Seitengalerie 51 Sitze sowie 7 Seitensitze und bei Sprechstückaufführungen noch zusätzlich 16 Orchestersitze, bot also insgesamt Platz für 763 Zuschauer.

Was in den national-bolschewistischen Haßtiraden von 1945 unterging und bis heute nicht im Bewußtsein der Brünner verankert erscheint, ist die Tatsache, daß das Brünner Deutsche Haus nahezu voll und ganz durch das Kapital liberaler jüdischer Industrieller, Bankiers und Kaufleute aufgebracht wurde und seine Mission gerade diese liberale Verträglichkeit war. Namhafte Sponsoren (wie man heute sagen würde) waren Aron und Jakop Löw Beer, Robert Tugendhat, Hugo Birnbaum, Ritter von Gomperz, Kohn, Hoffmann, Tugenthal und viele andere.

Daß dann in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre andere Kräfte die Oberhand gewannen und die tschechische Kommunität das Deutsche Haus als ein "Bollwerk der Nazi" empfand war ein Irrtum bzw. das Resultat nationalistischer Hetze.

Das sollte auch heute nicht vergessen werden.


 

 

Deutscher Sprach- und Kulturverein Brünn

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